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Der erste Kuss vom jungen Wilden

Eine Reise nach Australien hat mein Leben nachhaltig verändert und den Anstoß geliefert einen Traum zu träumen, den ich vorher nicht einmal zu träumen gewagt hätte.

Reiten ist seit meiner Jungend ein Hobby, und auch das einzige, dass ich nach wie vor betreibe. Eigentlich viel mehr als das. Im November 2013 brachte mich das Schicksal gemeinsam mit vier anderen Frauen auf eine wunderschöne Farm im australischen Outback, wo wir unter Anleitung meiner Trainerin australische Wildpferde zähmten. Der einzige Menschenkontakt, den die Tiere zuvor hatten, war durchweg schlecht: eingefangen werden, ein Brandmahl bekommen und ab auf den Transporter. Als wir das erste Mal auf sie trafen, stand regelrechte Panik in ihren Augen. Nur durch Geduld, Sanftheit, Hinspüren, Mitbestimmung und viel Gefühl haben wir innerhalb von zwei Wochen geschafft was uns zu Anfang unwirklich erschien. Wir konnten die Pferde berühren, ihnen Halfter anziehen und sogar schon erste Hufe bearbeiten. Ohne Bestechung durch Futter oder gefügig machen durch Angst oder Gewalt blieben sie gerne an unserer Seite, obwohl sie auf den riesigen Weiden kilometerweit hätten flüchten können.


Und wie ich da so stand, in Händen den Kopf eines zuvor wilden Pferdes, das sich voller Vertrauen an mich schmiegt, wurde mir klar, dass ich dieses überragende Gefühl mit meinem eigenen Pferd Zuhause irgendwo im Alltag verloren habe.

Seither träume ich von meinem eigenen kleinen Hof, meinem ganz persönlichen Paradies auf Erden, für mein Pferd und mich (und viele andere wundervolle Lebewesen). Einem Ort voller Liebe, Vertrauen und Verständnis. Meine Stute ist leider unheilbar krank und dies stellt hohe Ansprüche an ihre Haltung, denen ich bisher nicht immer hundertprozentig gerecht werden kann. Meine Vision ist es, einen Ort zu schaffen, der auf ihre Bedürfnisse optimal angepasst ist, und der es auch anderen kranken (oder gefährdeten) Pferden ermöglicht, ein unbeschwertes Leben voller Freude zu führen, ohne Verzicht, Schmerz und Leid.

Und so halte ich fest an meinem Traum von diesem Ort voller Liebe und Zufriedenheit, wo Mensch und Tier im Einklang mit der Natur genauso sein dürfen, wie sie sind.

Dieser Text entstand im September 2016.

Kommentare: 1
  • #1

    Denisa Vadala (Sonntag, 23 September 2018 18:43)

    Vielen dank für diese berührende Geschichte. Und danke, dass du eine Übersetzerin bist - für die Botschaften der Tiere in dieser Welt - tolle Aufgabe. Ich wünsche dir, dass deine Vision in Erfüllung geht und du die Menschen findest, die dir dafür Tore eröffnen und an deiner Seite solch einen Hof gründen!