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Wenn das Leben andere Pläne hat...

Kennst du das? Du hast dir etwas fest vorgenommen, Pläne geschmiedet, genau durchdacht, wann was wie wo passieren soll... Und dann kommt das Leben. Plötzlich ist alles anders, als du es dir in deinem Kopf so schön ausgemalt hast. Dinge passieren, an die du niemals gedacht hättest. Dann stehst du da, ein bisschen ratlos, vielleicht sogar wütend. Und nun? Genau so war es bei Sharoom und mir... 
Majana / Pferd im Schnee / Trauer / Lebenspläne
Letzter Winter mit Majana

Nach all den Erfahrungen mit meiner Stute Majana hatte ich mir einen ganz genauen Plan zurecht gelegt, für den Fall ich würde jemals wieder ein Pferd haben wollen. Die Zeit mit Majana war voller Wunder, Freude, Glück, Liebe und Verbundenheit. Aber eben auch voller Schmerz, Trauer, Wut, Hilflosigkeit und tiefer Verzweiflung. Über die Jahre und mit zunehmender Krankheit verschwanden Leichtigkeit und Freude. Ich wusste bereits als ich sie übernommen habe, dass Majana krank ist. Es war mir egal. Ich hätte jedoch niemals geahnt, was auf mich zukommen würde. Aus der völligen Überforderung heraus habe ich mich zunehmend von anderen beeinflussen lassen, Entscheidungen entgegen meiner inneren Stimme getroffen. Und schließlich bitter betreut. Das Leben wich langsam aber unaufhaltbar aus meiner engsten Vertrauten, ohne dass ich es hätte aufhalten können. Wie soll ein Mensch das ertragen?

Jedenfalls habe ich mir geschworen, daraus zu lernen. Sämtliche Faktoren von vorneherein auszuschließen, die auch nur annähernd dazu führen könnten etwas Ähnliches nochmal erleben zu müssen. Ich wollte NIEMALS wieder ein Pferd, das von Grund auf gestresst und nervös ist und sich selbst sehr viel Stress macht (denn dieser Stress kann Jahre später Krankheiten auslösen). Auf KEINEN Fall einen Araber: "...die haben alle einen Schuss!" (Majana war nur zum Teil Araber, aber das hat mir gereicht...). Und NIEMALS, wirklich niemals wieder, würde ich ein Pferd von einer Bekannten übernehmen.
Dann traf ich auf Sharoom und spürte unvermittelt diese magische Anziehungskraft. Immer wieder linste ich zu ihm rüber, wenn ich bei Majana war. Doch ich wusste, dass ich all meine Kräfte für Majana brauchen würde. Meine Energie reichte ja gerade mal so für sie - sie sollte meine Aufmerksamkeit auf keinen Fall teilen müssen, wo es ihr eh schon so schlecht ging. Ich habe mir selbst zu diesem Zeitpunkt nicht erlaubt, auch nur annähernd mit Sharoom Kontakt aufzunehmen. Auch weil ich wusste, dass ich ihm (zeitlich) nicht gerecht werden könnte - und erst gar keine Hoffnungen in ihm (und mir) wecken wollte.
Gerade als mein Partner und ich auf den Hof zogen, auf dem Majana lebte, ging es ihr so schlecht, dass auch Schmerzmittel kaum mehr Erleichterung brachten. Ich weiß noch genau: "Wir wohnen bald hier, dann bin ich ganz nah und wir können viel Zeit einfach so miteinander verbringen!", habe ich ihr ins Ohr geflüstert. Am nächsten Tag musste sie erlöst werden. Sie wollte einfach nicht mehr aufstehen. Der Schmerz ist bis heute unermesslich groß. Nun wohnten wir also auf einem Pferdehof, ohne überhaupt ein eigenes Pferd zu haben. Ich habe ernsthaft darüber nachgedacht, die ganze "Pferde-Sache" komplett an den Nagel zu hängen. Mit Majana war so viel schief gelaufen - und für alles gab ich mir die Schuld. Ich wollte am liebsten nie wieder den Stall betreten. Frühestens vielleicht nach ein paar Monaten! Möglicherweise hätte ich mein Vorhaben sogar durchsetzen können - wenn wir nicht auf einem Pferdehof gelebt hätten. Wenn nicht der tägliche Blick aus dem Fenster Pferde gezeigt hätte. Wenn ich nicht schon Unterrichtsstunden vereinbart hatte, die ich natürlich nicht absagen konnte. Das Leben hat halt andere Pläne...
Im Unterricht habe ich ganz deutlich gespürt, dass es ohne Pferde nicht geht. Wenn ich etwas vorzeigen konnte, das Pferd selbst an die Hand nehmen durfte, war ich von Glück durchströmt und beseelt. Das fühlte sich richtig an, nach Zuhause, nach Erfüllung. Obwohl es nicht mein Pferd war, obwohl es keine besondere Beziehung zwischen dem Pferd und mir gab. Also eben doch wieder Pferde. Etwas widerwillig nahm ich diese Erkenntnis hin. "Aber auf keinen Fall ein eigenes!", sprach mein Kopf. "Nein, das mache ich nie wieder! Frühestens in ein paar Jahren..." Nun stand ich aber da, in einem Stall voller Pferde - und fühlte mich irgendwie übrig. Naja, da war ja noch Sharoom. Der war auch irgendwie übrig. Und diese unerklärliche Anziehungskraft war immer noch da. Doch alles sollte ganz zwanglos bleiben zwischen uns. Ich wollte auf keinen Fall irgendwelche Verpflichtungen, keine Verantwortung, keine Gefühle, nur mal ein bisschen versuchen, und wenn es nichts würde, wäre das kein Problem und ich könnte es einfach wieder lassen. So habe ich das auch mit seiner Besitzerin vereinbart...
Zitat © John Lennon / Bild © minana Photography
Zitat © John Lennon / Bild © minana Photography

Heute stehe ich da, mit diesem völlig verrückten, hypersensiblen Araber, übernommen von einer mittlerweile sehr guten Freundin. Sharoom erfüllt alle Kriterien, gegen die ich mich mit Händen und Füßen gewehrt habe. Das einzige Merkmal, dass sich mein Kopf so schön zurecht gelegt hatte und das eingetroffen ist: es sollte ein Wallach sein. Na das habe ich ja fantastisch hinbekommen... Mein Kopf rebelliert: "Wie kann man nur so blöd sein? Den gleichen Fehler nochmal machen! Es wird Schmerz, Verzweiflung und Trauer bedeuten!" Zusätzlich ploppen noch die ganzen Glaubenssätze zum Thema Geld auf: "Reicht es überhaupt, kann ich mir das eigentlich leisten? Was, wenn er krank wird?"

Mein Umfeld rebelliert gleich mit. Ich weiß, dass einige von mir denken, ich hätte den Verstand verloren. Sich fragen, wie man das nur machen kann, wie man nur so dumm sein kann. Und auch noch in der jetzigen Situation, wo wir in absehbarer Zeit unser Zuhause verlieren und den Stall räumen müssen. Ohne einen Plan B zu haben. Aus Sicht des Verstandes nullkommagarnicht nachvollziehbar.
Vielleicht habe ich das ja tatsächlich - den Verstand verloren. Aber weißt du was? Ich wäre froh drum! Früher hätte mir das alles riesige Angst gemacht. Von dieser Angst hätte ich mich bestimmen lassen. NIEMALS hätte ich mich darauf einlassen können. Der Stimme meines Herzens hätte ich kein Gehör geschenkt, wahrscheinlich sogar versucht, sie wegzudrücken. Ich war (und bin nach wie vor viel zu oft) total im Kopf - rundum ein vom Verstand geleiteter Kopfmensch. So ausgeprägt, dass ich mich selbst mein Leben lang schon blockiere. Diese Entscheidung FÜR Sharoom zeigt mir, dass ich diese Ketten nun zu einem großen Teil gesprengt habe ♥
Ja, ich habe auch jetzt Angst, Zweifel und Bedenken. Das alles darf da sein. Es sind "nur" Gefühle. Genauso wie Freude, Leichtigkeit, Liebe. Wir dürfen uns von unseren Gefühlen (ver-)leiten lassen. Dabei lasse ich mich jedoch viel, viel lieber von Freude, Leichtigkeit und Liebe leiten, denn diese entspringen meinem Herzen. Angst, Zweifel und Bedenken entstammen dem Verstand. Dieser kann uns ein wunderbarer Ratgeber sein, doch kann er uns auch blockieren und von unserem wahren, wahrhaftigen und authentischen Sein abhalten. Folgen sollten wir unserem Herzen.
Herzensweg mit Pferd
Glücklich über die Entscheidung! © minana Photography
Ich bin stolz auf mich, es endlich geschafft zu haben, mein Herz (wieder) zu hören - und den Mut zu haben, dieser inneren Stimme zu folgen. Ohne mich zu sehr vom Verstand oder gar von anderen beeinflussen zu lassen. Es erfüllt mich, meiner Intuition zu vertrauen. Heute muss ich sogar über meine Vorstellungen des "perfekten Pferdes für mich" lachen: wie konnte ich so naiv sein und einfach glauben, mit meinem Verstand beeinflussen zu können, was passiert? Das Leben musste mir wohl genau das Gegenteil davon schicken, um mich zu überzeugen... Keine Sekunde bereue ich, damals Majana und nun Sharoom übernommen zu haben. Jetzt habe ich die Chance, es anders zu machen als damals. Weiterhin auf meine Intuition zu hören und meinem Herzensweg zu folgen ♥
Ist es dir auch schon einmal so ergangen, dass deine Pläne vom Leben total durchkreuzt wurden? Womöglich auch in Bezug auf dein Pferd? Wie hast du dich dabei gefühlt? Was hast du getan, wie hast du reagiert, wie bist du mit der (neuen) Situation umgegangen?
Lass' es mich wissen und teile deine Erfahrungen. Ich freue mich auf deinen Kommentar und bin gespannt.

Und falls du deinen Herzensweg noch nicht sehen und ihm folgen kannst oder falls du noch im Kopf "hängst", vielleicht in alten Glaubenssätzen, und nicht so recht weißt wie du diese Blockaden lösen kannst, kontaktiere mich einfach für ein erstes Kennenlernen. Zu gerne unterstütze ich dich (und dein Pferd) dabei, euren eigenen Herzensweg zu fühlen und zu gehen.

Kommentare: 1
  • #1

    Jessica (Freitag, 01 Februar 2019 18:07)

    Hallo Heike,
    ich musste gerade so lachen beim Lesen deines herrlich erfrischenden Blogbeitrags... ich seh mich schon in ein paar Monaten genauso dastehen wie du. Mein Seelenpferd, mit dem ich diese unendlich tiefe Verbindung hatte, ist vor 5 Monaten über die Regenbogenbrücke gegangen. Mein Verstand sagt mir auch "Erstmal kein eigenes Pferd mehr! Diese viele Verantwortung, diese vielen Sorgen und Ängste, die man hat..." und dann natürlich die ganzen Überlegungen wie das Pferd dann sein müsste und was ich auf keinen Fall will... Ich seh mich schon im Sommer mit einer Schimmel-Stute dastehen. *lach* Das wäre so ziemlich alles was ich nicht will. XD Aber ich bin auch überzeugt davon, dass immer die richtigen Pferde in unser Leben kommen und zur richtigen Zeit. Auch wenn es vielleicht manchmal nicht danach aussieht. Von daher lächle ich und warte auf das, was da kommen mag. :)
    Ich möchte dir noch mein herzlichstes Beileid für den Verlust von Majana aussprechen. Sie galoppiert jetzt fröhlich über die ewigen Weiden und all der Stress und die Schmerzen sind vergessen!
    Und natürlich ganz viel Spaß mit Sharoom! Ich bin gespannt was du von ihm erzählen wirst. :)

    Ganz liebe Grüße,
    Jessica