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Der ganz normale Ponyhof-Wahnsinn - 5 Tage Verantwortung für Haus, Hof und Tiere

 Tag 1:

 

Ich lass den Tag ruhig angehen. Gestern waren wir bei einer Hochzeit und ich habe darum gebeten, nicht gleich den sonntäglichen Frühdienst übernehmen zu müssen. Also werden die Ponys von der lieben Tani gefüttert, später kommt Karin und lässt sie auf die Koppel. Abgesehen von den Gänsen sind alle gnädig zu mir: die schnattern und quaken wie immer lauthals, als ich sie aus dem Stall entlasse. Zum Ausgleich finde ich ein Gänseei - sorry Detlef, aber das reiße ICH mir unter den Nagel 😉 Bis ihr zurück seid, ist das bestimmt sowieso gar nicht mehr gut... Gänseeier sind bei uns heiß begehrt, da leider echt lecker. Ich werfe noch einen Blick auf das Huhn, das im Gänsenest sitzt und vermutlich gerade ein Ei legt. Ist ja nicht so, dass die Hühner nicht ein eigenes Abteil hätten. Aber gut. Ich lass sie sitzen, das Ei hole ich später, wenn sie fertig ist.

 

Beim Blick Richtung Koppel fällt mir auf, dass die Jungs mit ihren Wasserkübeln Fußball spielen. Nein, so ist das eigentlich nicht gedacht. Also gleich mal den Schlauch über den Hof gelegt und Wasser marsch! Kübel noch schnell ausschrubben und auffüllen. Die Pferde stehen Schlange, sind wohl alle schon durstig. So eine ganze Stunde ohne Wasser auf der Koppel ist nicht akzeptabel, sagen sie 😉

 

Auch für Jan fällt noch ein Job an: die Mistkarre im Offenstall ist voll und muss geleert werden. Vorher noch schnell mit dem Auto zur Tanke und einen Kanister Diesel geholt. Ohne fährt sich der Traktor so schlecht 😉 Beim Abladen am Misthaufen sind die Hühner ganz verzückt! Neuer Mist = neue Würmer. Sie stürmen das Buffet, ohne Rücksicht auf Verluste. Beim Rangieren muss immer gut darauf geachtet werden, nicht aus Versehen ein Huhn platt zu walzen (oder alternativ auch aufzuladen – gell, Tobi? 😉)

 

Abends schau ich wieder nach dem Huhn im Gänsenest. Sitzt immer noch da und hat sich muckelig eingerichtet. Ähm, ne, junge Dame, angesichts des drohenden Umzugs haben wir ein absolutes Ausbrüt-Verbot ausgesprochen. Wir wollen keine heimatlosen Küken produzieren. Also schnapp ich mir einen Stock und schieb ihn todesmutig unter des Huhns Hintern. Man hört ja immer wieder, dass sich so eine Glucke in eine äußerst angriffslustige Zicke verwandeln kann. Einmal das Huhn mit dem Stock als eine Art Wagenheber eine Etage höher gelupft und schnell die Eier unterm Po weggestohlen. Hat gar nicht wehgetan. Naja, zumindest nicht körperlich. Ein bisschen traurig bin ich schon, wenn ich sie seh‘, wie sie da so sitzt und sich gleich wieder ordentlich zurechtrückt auf ihrem leeren Nest. Es tut mir leid, kleine Henne, aber in diesem Jahr geht es nicht anders... Vielleicht darfst du nächstes Jahr wieder Mama werden. Dieses Spiel wiederholt sich übigens auch an Tag 2 und an Tag 3. Allerdings dann ohne Stock, denn scheinbar hat das Huhn nichts gegen meinen täglichen Griff unter ihren Po. Sie gluckst nur ein wenig vor sich hin und scheint zu verstehen, wenn sie auch ihr Nest dennoch nicht aufgeben mag. Weißt du eigentlich, wie warm es unter so einem Hühnerpopo wird? Ich war tatsächlich überrascht, ein Wunder, dass das Ei da nicht gekocht wird. Solche Temperaturen erreiche ich sonst nur im Tiefschlaf (so sagt man(n)...) 😉

OK, das Problem mit der brütenden Henne ist damit erledigt. Denke ich, als ich den Stall für die Nacht abschließe…

Leben auf dem Hof, Leben mit Tieren, Gänse auf dem Hof
Freya und Wotan bei der Mittagsruhe

Tag 2:

Denn die Nebenwirkung ist leider, dass die Gans nun kein Nest mehr hat wo sie ihr Ei reinlegen mag. Also finde ich kein Gänseei mehr, und abgesehen davon, dass das für meinen Gaumen gan(s)z schön schade ist, frage ich mich auch, wie die Gans das jetzt für sich löst. Legt sie einfach nicht? Bekommt sie irgendwann sowas wie eine Ei-Verstopfung? Muss ich den Hof nach Gänseeiern absuchen? Oder wirft sie es einfach auf den Grund des Teiches, so nach dem Motto "schon beleidigt"? Ich nehme mich vor, das mal zu googlen – vielleicht macht sie ja auch nur einen Tag Pause, und legt morgen schon wieder...

 

 

Tani berichtet mir, dass die Schafe morgens auf dem Hof herumspaziert sind. Sie haben also mal wieder zuverlässig die schwächste Stelle im Zaun gefunden... Nachdem Tani sie mit einem Eimerchen Futter wieder in ihren Bereich bugsiert hat, kontrolliere ich später nochmal den Zaun und versuche, die Schwachstellen zu flicken. Gar nicht so leicht, wenn man nach 2 cm Erde gleich auf Fels und Gestein der schwäbischen Alb trifft. Da hält kein Pfahl im ohnehin vom Regen aufgeweicht Boden. Ich kann also nur verschlimmbessern und beschließe: das bleibt jetzt so! Die Schafe bekommen noch ein paar Streicheleinheiten und einen bösen Blick, damit sie bleiben wo sie sind.

 

Während ich so über den Hof schlendere fällt mein Blick auf Monty, den stallältesten Wallach. Er versucht gerade in seinem Unterstand eine schöne Strohkuhle zu graben, in der er sich wälzen kann. Da der Opi hin und wieder schlecht auf die Beine kommt, bleibe ich mit reichlich Abstand am Zaun stehen und beobachte ihn. So kann ich bei Bedarf gleich eingreifen und ihm mit einem beherzten Schubs helfen, falls es nötig werden sollte, denkt es in mir. Monty gräbt und wühlt und hält immer wieder inne, um zu mir herüber zu schauen. Dann wühlt und gräbt er wieder, schaut, und ich meine ein kleines bisschen „genervt sein“ erkennen zu können… Nach einigen Minuten habe ich verstanden: er will keine Zuschauer bei seiner Morgentoilette. Also wende ich mich schmunzelnd ab und gehe ins Haus – es ist ohnehin Katzen- Zeit. Otis, der Nachbarskater, wartet schon auf der Treppe auf mich und begrüßt mich mit einem begeisterten Miau. Schnell hoppelt er die Treppe hoch und folgt mir auf Schritt und Tritt. Otis hat ein lädiertes Heck von einem alten Autounfall und ein Vorderbein ist ebenfalls beeinträchtigt, weil es vor einigen Monaten gebrochen war. Er sieht aus wie ein Waschbär, wenn er läuft – zu süß! Außerdem ist er nicht mehr der Jüngste und hört schlecht. Umso lauter muss er miauen Nach dem Katzenklo-Check werfe ich nochmal einen prüfenden Blick aus dem Fenster. Monty steht schon wieder auf der Koppel und frisst. Okay, er hatte Recht, er braucht keine Aufsichtsperson 😉

Leben mit Pferden, Hofleben, Ponyhof, Leben mit Tieren
Otis, Mimmi und Hahn Konstantin begegnen sich beim Hofspaziergang

Das Wetter ist okay, also beschließe ich mit Otis einen Spaziergang ums Haus zu machen. Er darf aufgrund seiner Einschränkungen nur unter Aufsicht auf den Hof, und fordert dies auch lautstark ein, wenn es sein muss. Also schlendere ich „wie zufällig“ hinter ihm her – trotz Handicap ist er verdammt schnell und schafft Dinge, von denen wir keine Ahnung haben wie er das macht, wenn man mal kurz nicht hinschaut. Damit bringt er sich leider selbst in Gefahr. Also lasse ich ihn besser keine Sekunde aus den Augen – schließlich bin ich verantwortlich, und ich möchte nicht auf irgendwelchen morschen Balken unter irgendwelchen Dächern herumklettern, nur um ihn dort runter zu pflücken. Mimmi, meine Glückskatze, stößt zu uns. Da sie respektvolle 1,5m Abstand hält und Otis nichts tut, lasse ich sie mitlaufen. So wackeln wir zu dritt über den Hof, bis Karin mit einem ganz lieben Ferienhund auftaucht. Obwohl der Hund nichts von den Katzen wissen will, beschließt Otis, dass es wohl besser wäre den Spaziergang zu beenden und schlüpft schnell zur rettenden Haustüre rein.

 

Abends beim Geflügelstallrundgang bemerke ich plötzlich ein zweites Huhn, das sich abseits zum Brüten niedergelassen hat. Na prima. Hält sich eigentlich irgendjemand an die Nicht-Brüten-Regel??? Ich hole Angelika zur Hilfe. Bitte einmal Huhn hochhalten und schauen, auf was sie so sitzt. Angelika hat die super Idee, die Eier mit Edding zu markieren, sodass ich eventuell dazukommende neue Eier dann täglich aussortieren kann. Als Hühner-Experte kennt man solche Tricks und Kniffe wohl zu genüge 😉 Also wird das Huhn hochgehoben und die Eier markiert – da haben sich schon einige angesammelt. Angelika verspricht, sich um eventuell schlüpfende Küken zu kümmern – da ich nicht weiß, wie lange das Huhn da schon sitzt, bringe ich es nicht übers Herz, die Eier zu zerstören. Wer weiß, was darin schon vor sich hin wächst…?

Tag 3:

 

Der Dienstag beginnt mit dem üblichen Katzen-Pferde-Hühner-Schafe-Versorgungsrundgang. Und dann ist was Erholsames geplant: ein Ausritt auf meinem tollen Leihpferd Bambi zusammen mit Saskia auf ihrem Filou. Perfekt, die liebe Bambi, das Schimmelchen, ist trotz Matschwetter fast sauber. Also schnell drüber geputzt, gesattelt, die Hufschuhe geschnürt und los geht's. Bambi ist ein bisschen aufgeregt, weil sie den Filou noch nicht kennt, aber sie benimmt sich fast vorbildlich, wie immer. Wir haben unheimlich viel Spaß und lachen und gackern vor uns hin. Zum Beispiel, weil ich als überwiegend Pony- und Kleinpferde-Reiterin total unterschätze welche Ausmaße Saskia und ihr großer Filou höhenmäßig so haben 😉 Mit der wuchernden Natur und den von mir gewählten Wegen ist das nicht unbedingt kompatibel... Oder über Filou, der beim verzweifelten Versuch einer Pfütze auszuweichen mit seinem Hufschuh auf dem matschigen Untergrund in ebendiese rein rutscht - das Gesicht ist köstlich und auch sein rettender Ausfallschritt. Nicht unbedingt elegant, aber gut gelöst 😉 Vor allem Saskia lacht, als sie mich mit einem Ast, der zurückfedert fast vom Pferd schießt 😉 Und ich lache, als ich sie im Highspeedgalopp fast mit einem Hufschuh abschieße. Aber nur kurz, weil ich dann zurückreiten und den Schuh suchen muss, ihn wieder auf den nassen Huf packe und dann im Gestrüpp Dank eines Baumstumpfes wieder auf eine tobende Bambi steige -"es war doch grad so lustig im Galopp, wieso soll ich jetzt still stehen?", fragt sie tänzelnd. Wir kommen uns vor wie Bibi und Tina - über Stock und über Stein, durchs Gebüsch und durch den Wald... Einfach herrlich! Von oben bis unten eingematscht, aber glücklich durften die Pferde danach auf die Koppel. Die ehemals weiße Bambi war nicht wieder zu erkennen…

Hofleben, Leben mit Tieren, Persönlichkeitsentwicklung durch Tiere
Mäh! Flecka, das Schaf, und ich ;-)

Mittags liege ich mit Otis auf dem Sofa und dämmere so vor mich hin. Ach herrlich, diese Siesta. Ich möchte nicht, dass Otis die ganze Zeit alleine ist, und die Begeisterung mit der er sich jedes Mal auf mich stürzt, lässt seine Dankbarkeit für meine Anwesenheit erahnen. Jedenfalls meditiere ich zu seinem Schnurren so vor mich hin als sich plötzlich ein Blöcken dazwischen schiebt.... Määh, määh, määääääääh. Es hört gar nicht mehr auf. Etwas widerwillig öffne ich die Augen. Was ist denn da los? Normalerweise hört man die Schafe nur zu Fütterungszeiten. Ich werde stutzig. Schließlich schiebe ich Otis bei Seite, entschuldige mich bei ihm (ich sag nur, wenn Blicke töten könnten) und schaue aus dem Fenster. Wenn mich nicht alles täuscht stehen die Schafe auf der falschen Seite vom Zaun. Ich reibe mir nochmal die Augen, vielleicht bin ich ja noch zu schlaftrunken... Nein, es hilft nichts, wieder runter und rein in die Gummistiefel.

 

Die Schafe meckern noch lauter und begeisterter als sie mich entdecken - Rettung naht! Sie stehen zwischen Zaun und Teich und schauen, als wüssten sie nicht mehr wie sie nur in diese Lage geraten konnten. Geschweige denn wie sie wieder raus kommen sollen. Das Loch im Zaun ist schnell ausfindig gemacht (denke ich zumindest). Also hole ich mal wieder ein Eimerchen Futter und versuche die Schafe zu mir zu locken. Dummerweise versperrt ihnen ein kleiner Ast den Weg und Schafe können scheinbar nicht über kleine Äste springen (zumindest nicht unsere...) 😉 Also quetsche ich mich unterm Gestrüpp durch, klettere über den Ast und gehe außen rum zurück, alle drei Fellbobbel folgen brav an der Hake. Hinten stelle ich fest, dass der komplette Zaun flachliegt. Na Glückwunsch, wie ist denn das passiert? Also, erstmal die Schafe sichern und dann den Zaun wieder aufbauen. Nach gefühlt 10 Mal umstecken passt dann auch endlich alles und der Zaun steht wieder. Bis auf das Schlupfloch vorne, das ist zuerst entdeckt hatte. Also dort auch nochmal nachsehen. Die Stelle war zuvor etwas provisorisch befestigt worden und ich gebe mir wirklich Mühe, das Provisorium wiederherzustellen. Leider ohne Erfolg. Nach ca. 15 Minuten verheddern in der Litze und ohne auch nur einen Schritt weiter zu sein, wickle ich alles komplett ab, hole drei neue Pfähle und baue die Stelle einfach komplett neu auf. In der Hoffnung, dass dies die letzte Schaf-Ausbruch-Aktion war - zumindest für die nächsten Tage 😉

 

Am späten Nachmittag erfahre ich, dass sich Angelika Sorgen um ihre Quarterstute Curly macht – sie schlägt auffallend mit dem Kopf, steht trotz offener Koppel im Unterstand (das ist für sie wirklich ungewöhnlich!), irgendetwas passt nicht. Obwohl ich gefühlt nichts anderes mache als Tiere zu beobachten und überall nach dem Rechten zu sehen, habe ich das nicht bemerkt. Der Tierarzt ist schon informiert. Er spritzt Cortison, wahrscheinlich eine allergische Reaktion… Wir werden sehen, wie es ihr morgen geht.

 

Zu allem Überfluss mache ich mir langsam Sorgen um Tappsi, die zweite Nachbarskatze. Seit ich sie an Tag 1 mittags raus gelassen habe, habe ich sie zwar immer mal wieder gesehen, sie ist aber nie mit rein gekommen. Und es regnet und stürmt immer wieder. Ohne mir groß Hoffnungen zu machen rufe ich bei meinem letzten Fütterungs-Gang zu den Schafen nach ihr... Und tatsächlich antwortet plötzlich irgendwo eine Katze. Ich schaue links und rechts, vor und zurück, aber ich sehe nichts. Da, wieder ein Miau, nur leider hab ich keine Ahnung woher es kommt. Ich rufe und bei jeder Antwort begebe ich mich näher in Richtung des Rufens. Plötzlich fällt mir im Augenwinkel eine Bewegung auf: hoch oben auf dem Hausdach krallt sich ein miauendes schwarzes Fellknäuel an die Regenrinne. Ach du lieber Himmel! Schnell werfe ich den leeren Heukorb in den Stall und stürme ins Haus. Schlafzimmer - das müsste am nächsten an der Katze dran sein... Ich öffne das Fenstern, puh, sie ist noch da. Und nun? Das Schneefanggitter ist im Weg, das schafft sie niemals da drüber... Aber Tappsi ist schon auf dem Weg, balanciert, lotet aus, maunzt nochmal vorwurfsvoll und setzt zum Sprung an... Ich kneife die Augen zu, weil ich nicht sehen will wie sie auf dem rutschigen Dach abschmiert - da spüre ich schon ihr Köpfchenreiben an meinem Arm. MIAU! Und jetzt Hunger... Ich atme auf, Otis, der uns entgegen humpelt wohl auch, denn es wird erstmal freudig begrüßt und sich gegenseitig übers Köpfchen geleckt. Na immerhin, wieder mal ein happy end 😉 Später erfahre ich, dass Tappsi diesen Weg wohl öfter wählt und dann auch gerne am Genick zum Fenster rein gezogen wird. Tja, solche Infos müsste man mal vorher haben 😉

 

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Beim Sensen kommt man der Natur nahe ;-)

Tag 4:

 

Angelikas Curly geht es schon besser. Neben der Koppel stehen dieses Jahr Bienen, und jetzt wo der Raps verblüht ist bevölkern sie natürlich die Koppel und sitzen auf dem Klee, den die Pferde auch äußerst schmackhaft finden. Wir können nur vermuten, aber alles deutet auf einen Bienenstich hin. Also holen wir die Pferde lieber früher von der Koppel und überlegen uns etwas für den nächsten Tag: da dürfen die Pferde früh morgens raus, wenn die Bienen noch schlafen, und über Mittag wird die Koppel geschlossen. Der zur Hilfe gerufene Imker denkt auch über eine Lösung nach und wird die Bienen gegebenenfalls versetzen.

 

Mittags ist der Wettergott gnädig und er regnet mal nicht. Zeit aktiv zu werden! Ich miste die Koppel ab und nehme mir vor meinen Plan, den Zaun auszusensen, endlich umzusetzen. Die Wiese ist einigermaßen abgetrocknet, also schnappe ich mir die Motorsense. Beim Versuch den Brennesseln und dem Ampfer am Zaun entlang Herrin zu werden, verwandle mich nach und nach in ein grünes Marsmännchen 😉 Es reicht gerade mal für das Notwendigste, dann geht mir die Puste aus. Naja, das Vorhaben die Arbeit die für 5 Tage geplant war an einem zu schaffen war schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Immerhin habe ich guten Willen gezeigt und belohne mich dafür mit einer wohltuenden (und dringend notwenidigen) Dusche.

 

Vom Geflügelchef erfahre ich, dass es besser wäre das im Gänsenest brütende Huhn umsetzen, sodass die Gans eine Chance hat ihr Ei zu legen. Also schnappe ich abends die etwas irritierte Henne und setze sie in den eigentlich für sie vorgesehenen Hühnerstall. Die gackert kurz vor sich hin und stürzt sich dann auf die vorbereiteten Körner. Wunderbar, denke ich, Thema erledigt. Jetzt kann die Gans ihr Nest wieder in Beschlag nehmen.

 

Tag 5:

 

Am nächsten Tag kommt mir die Gans entgegen und ein Blick auf das Gänsenest verrät: falsch gedacht! Da hockt doch tatsächlich wieder das Huhn, fett und breit eingemuckelt und ist sich keiner Schuld bewusst. Etwas entnervt verschiebe ich die Aktion auf später. Ich möchte meinen Morgen erstmal mit einem entspannten Ausritt auf Bambi beginnen. Die ist für ihre Verhältnisse wirklich äußerst gemütlich unterwegs. Ich vermute, sie hat noch Muskelkater von Tag 3 😉

 

Als ich zurückkomme, gehe ich wild entschlossen in den Geflügelstall. Das Huhn muss weg und ich überlege schon, mit was ich das Gänsenest sichern könnte, damit sich das Huhn nicht gleich wieder dort einnistet. Doch dann sehe ich die Gans – sie sitzt neben ihrem Nest, hat den Kopf zum Huhn gestreckt und schimpft und zetert vor sich hin – Frau Huhn antwortet entrüstet und sieht überhaupt nicht ein, das Nest zu räumen. Weil ich die Gans nicht aufschrecken will, ziehe ich mich langsam zurück. Sollen sie das doch unter sich ausmachen. Nicht, dass das Ei nachher doch noch vor Schreck in der Gans stecken bleibt…

 

Etwas später am Nachmittag beobachte ich Fred, den Scheckwallach von Karin, der seine Füße in den Trinkwasserkübeln wäscht. Es stehen 3 Stück davon auf der Koppel, und in jeden einzelnen hängt er seine Käsefüße. Einen davon kippt er gleich komplett um, ist ja auch viel lustiger wenn eine riesige Matschpfütze entsteht – dann lohnt es sich wenigstens richtig, die Füße in den beiden anderen Kübeln wieder schön sauber zu waschen. Ein kurzer Blick reicht: alle drei Kübel müssen neu befüllt werden, weil 1x leer und 2x Matschwasser. Ich fass‘ es einfach nicht. Die Koppelzeit ist für heute ohnehin beendet, also verschiebe ich den Wasserwechsel auf morgen…

 

Irgendwann frage ich mich: Wie lange braucht eigentlich so eine Gans, bis sie ein Ei aus sich herausgedrückt hat? Ich schaue nach bei Google, finde aber keine zufriedenstellende Antwort. Die Gans sitzt seit Stunden regungslos im Stall. Wotan, der Gänserich, schlendert einsam und verlassen über den Hof. Als ich abends zusammen mit Karin nochmal nach dem Rechten sehen will, ist die Gans plötzlich doch auf dem Hof unterwegs und im Stall – neben dem Huhn im Gänsenest – liegt ein wunderschönes großes Gänseei. Gerade passend zur Rückkehr von Chef Detlef, dessen Frühstück somit für den nächsten Tag gerettet ist 😉

 

Ich kann nicht leugnen, dass ich etwas erleichtert bin, als der blaue Kangoo abends in die Einfahrt einbiegt. Nicht, dass ich es nicht schön fände, mich um Hof und Tier zu kümmern. Im Gegenteil! Ich liebe es!


Kann ich behaupten, dass alles glatt gelaufen ist? - Nein, ganz bestimmt nicht.
Habe ich alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe? - Nicht mal ansatzweise!
Habe ich mir viele Gedanken gemacht, hatte ich Sorgen und Nöte? - Einen ganzen Arsch voll!

 

Es ist ein ganz schöner Batzen Verantwortung, der da getragen werden darf. Auch der Versuch alle Liebe gleichmäßig an alle Tiere zu verteilen ist manchmal gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Der Tag ist gefühlt immer zu kurz um allen die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen UND alle Arbeiten zu erledigen. Und ich hatte Hilfe, viel Hilfe! Und Urlaub, also keinerlei andere Verpflichtungen. Ich ziehe meinen Hut vor all den Menschen, die auf Höfen leben und arbeiten, sich um Tiere kümmern oder darum, dass wir alle genug zu essen haben.

 

Und auch wenn mein Verstand tobt und rebelliert, bei dem Gedanken an die ganze Arbeit, die Sorgen und den Kummer: genau das ist es, wonach mein Herz und meine Seele sich sehnen. Das Leben auf dem Hof, umgeben von Tieren und der unzähmbaren Natur, im Bewusstsein über all die „Schattenseiten“, aber auch über das riesige Geschenk, das sich dahinter verbirgt – vereint mit Tieren und der Natur leben zu dürfen.

Kommentare: 1
  • #1

    Stéfanie (Freitag, 14 Juni 2019 23:10)

    Liebe Heike,
    das hast Du so wundervoll lustig geschrieben! Dein Leben mit den Tieren ist entzückend! :-D